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Berühmte Atheisten: Friedrich Dürrenmatt
Der Dramatiker Friedrich Dürrenmatt wuchs mit der Bibel, mit Göttern und Mythen auf: Sein Vater, der als Pfarrer in Konolfingen wirkte, vermittelte ihm das mythologische Wissen. Seine Mutter lehrte ihm die Bibel. Ein Leben lang arbeitete sich Dürrenmatt am religiösen Elternhaus ab. Was Wunder, verhalf ihm ein skandalöses Theaterstück über die Religion zum Durchbruch.
Von Vera Bueller / 1. März 2021
Friedrich Dürrenmatt war ein bekennender Atheist, sofern er dies als Sohn des Pfarrers von Konolfingen überhaupt sein konnte. Jedenfalls gehörte der grosse Schweizer Schriftsteller, Dramaturg und Maler zu jenen Atheisten, die sich im Theologischen besser auskannten als manch ein Geistlicher. Dabei rebellierte er schon als Kind gegen die Glaubenswelt der Eltern. Insbesondere der Frömmigkeit seiner Mutter konnte er nichts abgewinnen. Sie deutete alles, was um sie herum geschah, als Erfüllung ihrer Gebete. Selbst die Erfolge ihres Sohnes wollte sie nicht als eigenständige Leistung anerkennen, sondern schrieb sie Gott zu.
Der Einzelgänger
Das dörfliche Umfeld, in dem Dürrenmatt aufwuchs, tat das Seinige dazu: «Das Dorf ist grausam. Noch unerbittlicher sind die Kinder. Der Sohn des Pfarrers ist nicht einer von ihnen. Ich wurde ein Einzelgänger», erinnerte er sich Jahrzehnte später.
Dürrenmatts Vater wollte natürlich, dass sein Sohn Theologie studiert, doch Friedrich hatte beschlossen, Maler zu werden, studierte dann allerdings Philosophie und wählte schliesslich die Schriftstellerei als Beruf, weil er Schreiben «als eine Art Befreiung» empfand.
Am 19. April 1947 wurde dann im Schauspielhaus Zürich sein Drama «Es steht geschrieben» uraufgeführt. Die Geschichte des «Täuferreichs von Münster» im 16. Jahrhundert hatte der junge Dürrenmatt in der Bibliothek seines Vaters entdeckt. Darin wird die Geschichte der Wiedertäufer erzählt, die in Münster eine religiöse Diktatur errichteten.
Die Uraufführung löste wegen seiner barock-sinnenfreudigen Sprache und biblisch-drastischen Rhetorik einen Skandal aus. Die Vermischung von Heiligem und Trivialem empfand man als unerhört, der Vorwurf der Blasphemie wurde erhoben. Ausserdem war das Publikum mit dem Inszenierungsstil überfordert: Die Pausen waren länger als die einzelnen Szenen. Schauspieler standen im Morgenrock auf der Bühne. Das war zu jener Zeit, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, eine Provokation. Damit war Dürrenmatt aber eine fulminante Theaterkarriere gelungen – seine zeichnerische Leidenschaft gab er gleichwohl nie auf.
Die Asche im Garten vergraben
1981 erhielt Dürrenmatt den Ehrendoktor der Universität Neuchâtel. Zwei Jahre später starb seine Frau Lotti, mit der er 38 Jahre verheiratet gewesen war und drei Kinder hatte. Nach deren Tod befand er sich in einem desolat chaotischen Zustand. Er wusste nicht, was tun. Klar war für ihn nur, dass er keine Abdankung für seine Frau wollte, keine Trauerfeier, einfach nichts. In seinem Taschenkalender notierte er: «Beerdigung in einer Plastikschachtel im Garten.» Erst geraume Zeit später gestand er seinen Kindern, die Asche im Garten vergraben zu haben. Dürrenmatt stürzte sich nach dem grossen Verlust in die Arbeit. Er erlaubte der Journalistin Charlotte Kerr, ein vierstündiges Film mit dem Titel «Porträt eines Planeten» über ihn zu machen – die beiden verliebten sich und heirateten 1984.
Pflicht zum Atheismus
Je älter Dürrenmatt wurde, desto kritischer wurde seine Haltung zur Religion: «Ich bin Atheist. Ich halte Gott für die fruchtbarste und zugleich furchtbarste Fiktion des Menschen.» 1988, zwei Jahre vor seinem Tod, veröffentlichte er, gleichsam als Fazit, den Aufsatz «Pflicht zum Atheismus». Er vertrat darin die Position, dass die Ablehnung eines Glaubens an Gott in Zeiten des religiösen Fanatismus ein «Glaubensakt» zugunsten des Menschen sei. Aus seinem malerischen Schaffen verschwand die Religion allerdings nie ganz. Neben Motiven aus der Astronomie und Porträts malte Dürrenmatt weiterhin religiöse Motive: von der Hochzeit zu Kanaa über die Kreuzigung bis zur «Schwarzen Himmelfahrt».
Friedrich Dürrenmatt, geboren am 5. Januar 1921, starb am 14. Dezember 1990.


