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Berühmte Atheisten: Pablo Picasso
Pablo Piccaso, in dessen Werk sich das 20. Jahrhundert spiegelt wie in keinem andern, war Atheist, abergläubisch und hypochondrisch. Er hatte panische Angst vor dem Tod.
Von Vera Bueller / 1. März 2022
Picasso kam tot zur Welt. Er atmete nicht. Die Hebamme liess das Kind auf dem Tisch liegen, um sich um die Mutter zu kümmern. Doch da stürzte sein Onkel und Arzt Don Salvador herbei und blies dem Neugeborenen den Rauch seiner Zigarre in die Nase. Klein Pablo reagierte, so die Legende, mit einer «Grimasse und einem Brüllen der Wut», die Atmung setzte ein. Das war am 25. Oktober 1881 in Málaga, in Andalusien.
Katholische Erziehung
Getauft wurde der Sohn katholischer, gutbürgerlicher Eltern nach den Namen verschiedener Heiliger und Verwandter auf Pablo Diego José Francisco de Paula Juan Nepomuceno María de los Remedios Cipriano de la Santísima Trinidad Martyr Patricio Clito Ruíz y Picasso. Verkürzt hiess er Pablo Ruiz, nach seinem Vater, einem erfolglosen Maler. Dieser erkannte früh das Talent seines Sohnes und förderte ihn nach Kräften. Schon in jungen Jahren erhielt Pablo eine formale Ausbildung im Zeichnen und Ölmalen. Als er 13 Jahre alt war, überreichte ihm sein Vater seine Palette und seine Pinsel mit den Worten: «Ich werde nie mehr malen.» Trotzdem fühlte sich Pablo von seinem Vater gegängelt und ersetzte, als er 16 war, das «Ruiz» in seinem Namen durch das mütterliche «Picasso».
Den Vater hatte er als Tyrannen empfunden, war selbst allerdings nicht viel besser: «Er war extrem launisch und voller Widersprüche. Einerseits war er Atheist, andererseits nötigte er mich vor dem Taufstein in einer dunklen Kirchenecke zu einem Liebesschwur», erzählte Françoise Gilot, die während zehn Jahren Pablo Picassos Geliebte war, im Gespräch mit der «Süddeutschen Zeitung» und räumte ein, «die Spanier lieben es, Gott zu leugnen, und sind am Ende doch gläubiger als alle anderen. Sie haben keine Angst vor inneren Widersprüchen.»
Christus segnet den Teufel
Picassos Glaubenszweifel begannen, als seine jüngere Schwester Conchita an Diphtherie erkrankte und 1895 starb. Seine Reaktion auf den ihn traumatisierenden Tod war sein Werk «Christus segnet den Teufel», das tiefgreifende widersprüchliche Ansichten über Religion offenbart. Das Gemälde stellt Christus mit einer leuchtenden Aura um seinen Kopf dar, der einen überwältigten Teufel segnet.
1930 schuf Picasso das religiöse Sujet schlechthin, «Die Kreuzigung». Christus, Maria Magdalena, die Leiter, der Zenturio, die Soldaten beim Würfelspiel, die Schächer – alles da. Es heisst, Picasso war nicht imstande, das Gemälde zu verkaufen, weil er seiner Religion doch nicht ganz entkommen konnte.
Anti-Faschist, Anarchist und Kommunist
Politisch engagierte sich Picasso schon früh gegen den Faschismus. So entstand sein erschütterndstes Gemälde: «Guernica», benannt nach der baskischen Stadt, die am 26. April 1937 von deutschen Bombern zur Unterstützung der Truppen Francos vernichtet worden war. Der von Picasso 1940 gestellte Antrag auf den Erwerb der französischen Staatsbürgerschaft wurde abgelehnt, da den Behörden Dossiers aus dem Jahr 1905 vorlagen, in denen er als anarchistisch eingestuft worden war. 1944 trat Picasso in die Kommunistische Partei Frankreichs ein.
Kein Gentleman
Der Jahrhundertmaler war auch ein unermüdlicher Eroberer von Frauen, die jeweils tiefe Spuren in seinem Werk hinterliessen. Eros und Kunst waren für ihn eins. Historiker schätzen, dass er Hunderte von Geliebten hatte. Von den sechs wichtigsten Frauen in Picassos Leben haben sich zwei umgebracht und zwei sind verrückt geworden. Mitte der 1930erJahre klebte an seiner Türe ein Zettel mit den Worten: «Je ne suis pas un gentleman.» Er hatte eine Vorliebe für fragile, verletzliche Frauen, und als Pflichtlektüre verpasste er ihnen den Marquis de Sade. Als Picasso 1973 starb, hinterliess er eine dysfunktionale Familie mit vier Kindern, acht Enkelkindern, zwei Ehefrauen und ein Heer von Mätressen.
Angst vor dem Tod
Sein Lebtag war er hypochondrisch gewesen – rauchte aber unablässig und filterlos – und hatte panische Angst vor dem Tod. Niemand durfte in seiner Gegenwart vom Sterben reden. Sein Alterswerk war denn auch von einer geradezu wahnsinnigen Arbeitswut geprägt, als ob er so dem Tod entrinnen könnte. Als er starb, war er der reichste Künstler der Geschichte. Während seiner 78-jährigen Karriere schuf er über 147 800 Kunstwerke. Picassos letzte Worte waren: «Trinken Sie auf mich, trinken Sie auf meine Gesundheit. Sie wissen, dass ich nicht mehr trinken kann.»


