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Bettruhe und Inhalation auch für Hund und Katze
Nässe, Durchzug oder schwache Abwehrkräfte: Nicht nur der Mensch hat im Winter mit Erkältungen zu kämpfen, auch viele Haustiere bleiben von Husten, Schnupfen, Atemproblemen und Kopfschmerzen nicht verschont. Was sind die Ursachen und was kann man tun?
Von Vera Bueller Cavadini / 1. Februar 2020
Es ist nass, kalt und windig. Papageno sitzt mit tränenden Augen und leicht tropfender Nase nahe beim Ofen in der Stube. Bei dem Wetter mag er nicht ins Freie, Hunger hat er auch keinen. Frauchen kennt das schon: Ihr schwarzer Maine-Coon-Kater ist wie immer zu dieser Jahreszeit etwas verschnupft. Auch Barbara Willi, Oberärztin und Leiterin der Klinischen Infektiologie an der Vetsuisse-Fakultät in Zürich, kennt die Symptome. Und sie weiss, dass es sich dabei nicht um die gleiche Art Erkältung handelt, wie sie bei uns Menschen vorkommt. «Ursache sind spezifische virale oder auch bakterielle Infektionen, die nicht nur im Winter auftreten. Bei Katzen spricht man von Katzenschnupfen, bei Hunden kennt man den sogenannten Zwingerhusten». Die Infektionen lösten «lediglich» Symptome einer Erkältung oder Atemwegsinfektion aus, die durch nass-kaltes Wetter oder Zugluft allerdings begünstigt werden könnten.
Anzeichen eines solchen Infektes sind laufende Nase, Niesen, tränende Augen, Appetitlosigkeit und Müdigkeit. Beim Zwingerhusten ist das klassische Merkmal ein trockener, bellender Husten, «teilweise zeigen die Hunde auch ein Hochwürgen von weissem Schleim. Seltener treten Nasenausfluss oder bei sehr schwerem Verlauf, wie bei einer Lungenentzündung, Fieber, eine angestrengte Atmung und ein reduziertes Allgemeinbefinden auf», sagt Barbara Willi. Beim Katzenschnupfen dominiere je nach beteiligtem Erreger Augen- und Nasenausfluss, Niesen oder Aphten auf der Zunge.
Dramatischer Verlauf: Schnupfen bei Katzen
Der Schnupfen kann bei Katzen oft dramatisch verlaufen, «weil sie wegen des Verlusts ihres Geruchssinns das Futter verweigern. Büsis testen immer mit der Nase die Qualität dessen, was ihnen vorgesetzt wird. Was sie nicht riechen können, fressen sie nicht», weiss Tierärztin Corinne Meier von der Praxis Kleintierärzte in Rapperswil. Was dann helfen könne, sei das Aufwärmen des Futters. So verstärke man den Geruch der Nahrung. Weiter empfiehlt sie, vor allem in den kalten Jahreszeiten durchnässte Tiere zu Hause trocken zu reiben, beim Gassigehen nicht lange in der Kälte stehen zu bleiben, und Hunden mit einfachem Haarkleid ohne Unterwolle ein Mäntelchen anzuziehen. Geschwächte, alte oder sehr junge Tiere sowie kurznasig gezüchtete Vierbeiner seien anfälliger auf die Infektionen. Treffen könne es jedoch prinzipiell alle, egal ob sie reinrassig seien, aus einem Tierheim oder vom Bauernhof stammten. Allerdings sei die Infektionsrate bei der Haltung in grossen Tiergruppen oft höher. «Vor allem bei fehlendem Impfschutz», betont die Spezialtierärztin.
Ob sich Menschen bei ihrem vierbeinigen Liebling eine Erkältung holen können – oder auch umgekehrt – ist unwahrscheinlich, in der Wissenschaft aber noch umstritten. Einige Experten sind überzeugt, dass es spezielle, artenspezifische Viren gibt, die in sehr seltenen Fällen vom Menschen zum Tier und andersherum übertragen werden können. Sie raten dazu, bei einem Infekt nicht allzu nahe mit dem Tier zu kuscheln.
Nachgewiesen ist, «dass ein Frettchen Influenza vom Besitzer bekommen kann», sagt Jean-Michel Hatt. Der Klinikdirektor des Tierspitals der Universität Zürich und leitende Tierarzt im Zoo Zürich weiss aber auch, dass Frettchen in der Schweiz eher selten als Haustier gehalten werden. Mäuse, Ratten, Kaninchen, Schlangen, Vögel oder Schildkröten findet man da schon eher. Auch sie können sich erkälten. Wichtig sei dabei zu wissen, «dass Heimtiere wie Kaninchen ihre Krankheitszeichen oft lange verstecken». Die Anzeichen seien ähnlich wie bei den anderen Kleintieren: Absonderung von der Gruppe, Niesen, Nasen- und Augenfluss, Maulatmung und Appetitlosigkeit. Bei Ratten weise ein rötlicher Augenfluss auf Mykoplasmen-Infektionen hin. Diese können auf andere Organe übergreifen und dadurch Symptome wie Gleichgewichtsstörungen auslösen.
Keine Diagnose via Internet-Foren
Egal ob Hund, Katze oder Maus: Eine Diagnose ist nicht immer einfach. «Ich erinnere mich an einen Hund mit typischen Symptomen eines Infekts», erzählt Tierärztin Meier. Die entsprechende Behandlung habe einfach nicht anschlagen wollen. «Erst eine Nasenspiegelung (Rhinoskopie) zeigte die wahre Ursache: Ein Grashalm, der tief in der Nase steckte.» Gerade weil Symptome so oder so gedeutet werden könnten, «sollte man sich nicht auf Diagnosen aus irgendwelchen Internet-Foren verlassen», warnt Corinne Meier. Wer bei Krankheitssymptomen unsicher sei, sollte zum Tierarzt gehen. Und Barbara Willi rät dringend davon ab «für den Menschen zugelassene Erkältungsmedikamente dem Tier zu verabreichen. Hunde und Katzen können wegen anderer Stoffwechseleigenschaften mit teils schweren Nebenwirkungen darauf reagieren». Ausserdem betont sie, dass man Tiere, die apathisch oder appetitlos sind, auf jeden Fall einem Tierarzt zeigen sollte, «weil eine über mehrere Tage andauernde Futterverweigerung – insbesondere bei Katzen – zu weiteren Problemen führen kann».
Es gibt Hausmittel, die auch bei Haustieren unterstützend helfen können: Nasentropfen mit Kochsalzlösung, Wärme mittels Rotlichts oder Wärmflasche oder Inhalation mit Wasserdampf. «Dazu füllt man einen grossen Behälter mit kochendem Wasser und verbringt mit dem Tier etwa eine halbe Stunde in einem möglichst kleinen Raum», erklärt Corinne Meier das Prozedere. Katzen könne man dafür auch in einer Box nahe dem Wasserdampf platzieren.
Vorsicht mit Klimaanlagen und Ventilatoren
Leichte Infektionen klingen meist ganz von selbst wieder ab. Dafür braucht das Tier allerdings Zeit und Ruhe. «Auch ein gutes Raumklima trägt zur Abheilung wie auch zur Vorbeugung bei», sagt Barbara Willi. Ein Luftbefeuchter kann helfen. Denn trockene Heizungsluft verschlimmert oft die Symptome. Auch auf Klimaanlagen und Ventilatoren reagieren einige Haustier empfindlich – vor allem Papageien. Weniger Sorgen diesbezüglich müssen sich Hunde- und Katzenhalten machen. Bläst die Klimaanlage oder ein Ventilator zu stark, suchen sie sich von selbst ein angenehmeres Plätzchen, sofern ein solches vorhanden ist.
Weiss man, dass das Tier eine Infektion hat, «sollte man es nicht zu gesunden Artgenossen lassen, denn die Krankheiten sind ansteckend», warnt Barbara Willi und weist darauf hin, wie wichtig die gängigen Schutzimpfungen sind. Eine Infektion könne aber nicht völlig verhindert werden – so wie bei Kater Papageno, der trotz Impfung immer mal wieder etwas verschnupft ist. Denn «einerseits sind beim Katzenschnupfen und Zwingerhusten viele unterschiedliche Viren und teilweise auch Bakterien beteiligt, die nicht alle mit den Impfungen abgedeckt werden können». Andererseits seien einige Viren wahre Verwandlungskünstler und würden immer wieder in neuen Varianten auftreten. Dennoch retten die Impfungen das Leben manch eines Vierbeiners: «Die bei Hunden und Katzen empfohlenen Impfungen beugen einem schweren Verlauf vor. Geimpfte Tiere zeigen generell einen deutlich milderen Krankheitsverlauf.»
Der Impfschutz wird übrigens auch für Wohnungskatzen empfohlen. Oft liessen sie ihre Besitzer aus Unwissenheit nicht impfen, muss Corinne Meier immer wieder im Praxisalltag erfahren. «Das ist völlig falsch. Denn wir Menschen tragen über Kleider und Schuhe immer auch Viren ins Haus.»
Der Artikel ist auch im «Beobachter» erschienen.


